die freude am einfachen.

Braun New Handy "Fun Edition"

Manchmal stolpert man über Dinge, die unverhofft wie gerufen erscheinen. So ging es mir heute, als ich beim aufräumen im Keller plötzlich eine kleine, unscheinbare Kamera in den Händen hielt: die Braun New Handy „Fun Edition“. Ein Stück Technik, das locker mehr als zwei Jahrzehnte alt ist und doch heute in meiner Welt einen ganz besonderen Platz einnimmt. Diese Kamera gehörte meiner Frau, als sie noch ein Kind war. Ein Fundstück voller Erinnerungen und gleichzeitig eine neue kreative Herausforderung für mich.

yes, but why?

Als Fotograf, der sich der Leica M verschrieben hat, finde ich es faszinierend, wie eine einfache Point-and-Shoot-Kamera diese Einfachheit auf ein neues Level heben kann. Keine manuellen Einstellungen, keine Möglichkeit, das Belichtungsdreieck bis ins letzte Detail zu beeinflussen – einfach nur der Moment, das Licht und der Auslöser. Das ist pure Fotografie in ihrer rohesten Form. Nicht nur Willem Verbeck hat mich in seinen YouTube-Videos davon überzeugt, sondern auch eine Reihe anderer Fotografen. Dass mir nun ebendiese Kamera wortwörtlich in die Hände fällt, kann kein Zufall sein.

Die Braun New Handy „Fun Edition“ (was für ein geiler Name, mehr 90er geht nicht. Ich werde ihn jedes Mal ausschreiben weil ich ihn so feiere) ist kein technisches Meisterwerk. Sie hat eine einfache 28 mm Festbrennweite, Fixfokus und einen integrierten Blitz, der wahrscheinlich genauso unberechenbar ist wie die tagesaktuellen Ansichten und Meinungen von Friedrich Merz. Aber genau das macht sie für mich so spannend – im Gegensatz zu Onkel Merz. Sie ist unkompliziert, ehrlich und direkt – eine Kamera, die mich dazu zwingt, den Moment zu akzeptieren, wie er ist und nicht, wie ich ihn gerne hätte.

nimm 2.

Besonders gefallen hat mir der große, klare Sucher. Das ist fast schon leicaesk schön finde ich. Er hat mir sogar so sehr gefallen, dass ich beim recherchieren im Netz, wo ich mehr über die Braun New Handy „Fun Edition“ erfahren wollte, spontan eine zweite gekauft habe. Für 10€. Nochmal: Zehn Euro. Die Kisten kosten weniger als die meisten Filme aktuell, das ist echt Wahnsinn. Ich wollte aber meine eigene haben, die ich richtig rannehmen kann und mir keine Gedanken machen muss – auch wenn das meiner werten Gemahlin vermutlich scheißegal ist, was mit der Kamera passiert. Vielleicht hängt sie aber auch ein bisschen dran, wer weiß. Muss ja nicht immer eine Leica für mehrere zehntausende Euro sein, um eine emotionale Bindung mit ihr zu haben.

Neben der violetten Kamera meiner Liebsten, gesellt sich also bald auch eine Grüne. Die 90er waren schon ein bisschen schräg, aber irgendwie gefällt mir dieses farbenfrohe von damals sehr – ein bisschen Farbe würde uns heute hier und da auch ganz gut tun.

(Sprach Moe mit den schwarzen Leicas, schwarzen Gitarren, schwarzem Auto und 89045 schwarzen T-Shirts im Schrank.)

Eine weitere Motivation sie zu kaufen war aber auch, dass es de facto nicht meine Kamera ist und ich nicht einfach Besitz davon ergreifen möchte. Grün passt auch ganz gut zu mir, denke ich.

technik, die begeistert.
oder auch nicht.

Für die Technik-Nerds: Die Braun New Handy „Fun Edition“ wurde um das Jahr 2000 von der Braun Photo Technik GmbH in Nürnberg hergestellt. Sie ist aus leichtem Kunststoff gefertigt und wiegt gerade mal 120 Grämmchen. Der Filmtransport und die Rückspulung sind komplett manuell. Der Verschluss liegt bei etwa 1/100 Sekunde, was bedeutet, dass ich bei schlechten Lichtverhältnissen wohl kreativ werden muss – oder eben den Blitz benutze. Oder auch meine Leica, die so oder so an meinem Hals hängt.

Ein weiteres Detail, das ich spannend finde: Der Blitz lässt sich manuell über einen Schieberegler aktivieren. Das erinnert mich an die analogen Zeiten, in denen man noch überlegte, ob ein Blitz wirklich notwendig ist oder ob man es einfach auf gut Glück versucht. Diese kleinen Entscheidungen sind es, die Fotografie unnötig kompliziert, aber lebendig machen.

die geschichte.

Was diese Kamera aber wirklich besonders macht, ist nicht ihre Technik oder ihr Design, sondern ihre Geschichte. Meine Frau hat sie als Kind benutzt, vermutlich um die ersten Schritte in der Welt der Fotografie zu machen. Wenn ich darüber nachdenke, dass sie vielleicht genau mit dieser Kamera Momente festgehalten hat, die ihr damals wichtig waren, berührt mich das auf eine ganz besondere Weise. Es fühlt sich an, als würde ich ein kleines Stück ihrer Vergangenheit mit unserer Gegenwart verbinden.

Den letzten Film, der in der Kamera war, habe ich vor einigen Monaten entwickelt und konnte sogar die ein oder andere Aufnahme retten. Es waren Bilder von einem Zeltlager oder einer Jugendfreizeit – Sachen, die heutzutage nicht mehr auf Film festgehalten werden. Schade eigentlich.

der erste film.

Natürlich konnte ich es nicht abwarten und habe direkt eine Rolle Kodak Gold 200 geladen. Dieser Film ist bekannt für seine warmen Farben und den nostalgischen Look, der perfekt zu der Kamera passt, 90ies eben. Ich freue mich darauf, die ersten Bilder zu machen und zu sehen, wie die Braun New Handy „Fun Edition“ die Welt einfängt. Wird sie die Farben so wiedergeben, wie ich sie sehe? Oder wird sie mich mit unerwarteten Ergebnissen überraschen? Genau das ist das Schöne an der analogen Point-and-Shoot-Fotografie: Man weiß nie genau, was man bekommt. Wie bei Merz.

Standesgemäß sollten Fotos aus einer Point-and-Shoot nirgendwo sonst als in der Drogerie entwickelt werden, oder? Irgendwie rennt mein Hirn wieder und ich überlege tatsächlich, wie ein minimalistisches, mobiles Labörchen aussehen könnte, sodass ich die Fotos „überall“ entwickeln kann und mit irgendeiner speziellen App fürs iPhone unterwegs auch „scannen“ kann. LoFi von A bis Z. Aber das ist Unsinn, der Geist des ganzen Unterfangens würde dadurch zerstört werden.

Braun New Handy "Fun Edition"

die erwartungen.

Ich gehe mit einer Mischung aus Neugier und Vorfreude an dieses kleine Experiment heran. Ich erwarte keine perfekten Bilder, keine gestochen scharfen Details oder atemberaubenden Kontraste – das kann ich mit meinen anderen Kameras wenn ich will. Aber ich erwarte Authentizität. Ich erwarte Fotos, die den Moment einfangen, wie er ist – unperfekt, spontan und ehrlich. Vielleicht wird genau das der Reiz dieser Kamera sein. Brauchen wir wirklich den ganzen Technik-Overkill für gute authentische Bilder?

point-and-shoot?

Ich wollte schon immer mal eine Point-and-Shoot-Kamera ausprobieren. In meiner Arbeit als Fotograf beschäftige ich mich oft mit Technik, Einstellungen und der Suche nach dem perfekten Bild. Aber manchmal verliert man dabei den Blick für das Einfache. Eine Kamera wie die Braun New Handy „Fun Edition“ (JA, ich finde den Namen immer noch zum schreien lustig) erinnert mich daran, dass Fotografie nicht immer kompliziert sein muss. Manchmal reicht es vielleicht, einfach abzudrücken.

Es wird spannend sein zu sehen, ob und wie diese einfachen Bilder meine Sichtweise auf die Fotografie beeinflussen. In den kommenden Wochen werde ich meine Erfahrungen mit der Kamera teilen. Ich bin gespannt, welche Geschichten sie mir erzählt und wie sie meine eigene Geschichte bereichern wird.

Bleib dran, ich nehme dich mit auf diese analoge Reise – und wer weiß, vielleicht entdeckst du auch die Freude am Einfachen.

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